Was ist Achtsamkeit?
„Achtsamkeit heißt, sich erinnern, was heilsam ist.“
Der Begriff Achtsamkeit findet seit einigen Jahren zunehmendes Interesse in Medizin und Psychologie als ein Faktor, der für das Wohlbefinden und die Fähigkeit zur Lebensbewältigung von Menschen zentral ist. Gemeint ist damit eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit. Neben der alltäglichen Aufmerksamkeit gibt es eine Form der erhöhten Aufmerksamkeit: die Achtsamkeit. Dieses ist das Wissen um Aufmerksamkeit.
Wir müssen diese Fähigkeit nicht erfinden oder erwerben. Was wir tun können, ist diese Qualität bewusst entwickeln und sie für unsere Gesundheit und für unser Wohlbefinden nutzen.
Achtsamkeit ist eine innere Haltung
Entgegen einer verbreiteten Meinung ist Achtsamkeit keine Technik, nicht einfach nur eine neue Methode, sondern viel mehr eine innere Haltung, eine Weise des Seins, des Sehens, des Einlassens auf die vielen Dimensionen unseres Menschseins.
Achtsamkeit heißt, in unserem Leben ganz wach zu sein, jeden Moment in all seiner Lebendigkeit, seiner Wirklichkeit, seinen Freuden und Sorgen so zu erfahren, wie er ist. Wenn wir im Augenblick ruhen, sind wir zugleich in unserem Körper zu Hause und bekämpfen uns nicht, noch treiben wir uns an oder lehnen uns ab. Wir üben uns in einer akzeptierenden Haltung des gegenwärtigen Moments gegenüber.
Das hört sich einfach an, wer bereits versucht hat, sich darin zu üben, der weiß, dass das nicht ganz einfach ist.
Worum geht es in der Achtsamkeitspraxis?
Von Natur aus neigt unser Geist dazu abzuschweifen, wir verlieren uns in Gedanken, indem wir die gegenwärtige Erfahrung interpretieren oder bewerten. In der Achtsamkeitspraxis geht es nicht darum, gar nicht mehr zu bewerten, sondern darum, Bewertungen bewusst wahrzunehmen und wieder von ihnen abzulassen.
Achtsamkeit lehrt uns immer mehr Offenheit und Freundlichkeit gegenüber unserer Erfahrung zu entwickeln. Wir üben uns selbst und die Welt auf eine lebendige und unmittelbare Weise zu erleben und mit unserem Körper, unseren Gefühlen, Gedanken und Verhaltensmustern bewusst umzugehen. Und der Beginn dieser Praxis ist es, zu entschleunigen, innezuhalten und bei uns „einzukehren“.
Dadurch ist ein tieferes Verständnis für uns selbst möglich. Das ruhige, nicht eingreifende Beobachten all dessen, was sich in unserem Inneren abspielt, ist sehr kraftvoll und verändert sehr viel. Nur wenn wir mit unserem körperlichen und emotionalen Erleben verbunden sind, können wir spüren, wie es uns geht und was wir im jeweiligen Moment brauchen.
Achtsame Orientierung am Augenblick
Durch diese offene und annehmende Orientierung an der direkten Erfahrung des Augenblicks gewinnen wir auch zunehmend mehr Einsicht in unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionsweisen, vor allem auch im Umgang mit unseren Schwierigkeiten. Stress im Alltag und Herausforderungen durch Krankheit, Verlust oder andere schmerzhafte Erfahrungen sind ein unvermeidbarer Teil unseres Lebens.
Die Praxis der Achtsamkeit befähigt uns jedoch, innere Ruhe, Akzeptanz und Klarheit zu finden – auch angesichts körperlicher oder seelischer Schmerzen und trotz schwieriger Lebensumstände. Sie führt zu einer umfassenderen Sichtweise, die uns neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen kann.
Achtsamkeit – von unschätzbarem Wert
Achtsamkeit ist aber auch deshalb für uns von unschätzbarem Wert, weil sie uns die Kostbarkeit und Einzigartigkeit des gegenwärtigen Augenblicks bewusst werden lässt. Wir können unser Leben nur in einzelnen Augenblicken leben, wir erfahren nur einen Moment nach dem anderen.
Dieser Moment, genau jetzt, ist also entscheidend, denn nur in diesem Moment leben wir, deshalb ist die Aufmerksamkeit in diesem Moment so wichtig: Es ist der einzige, den wir je erfahren werden – um zu leben, um zu fühlen, um zu wachsen oder geheilt zu werden, um zu lernen oder um unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen.